Mut zur Frage – Bullshit Bingo desmaskieren

Die Welt ist im Wandel: Ich spüre es im Wasser, ich spüre es in der  Erde, ich rieche es in der Luft. Vieles was einst war, ist verloren, weil niemand mehr lebt, der sich erinnert.<span class="su-quote-cite">J. R. R. Tolkien</span>

Verloren ist die Einfachheit der Dinge. Wissensträger sterben, Erinnerungen gehen verloren. Aus Ideen werden Fakten, obwohl es nie deren Intension war.

Ja, die Welt ist im Wandel. Komplexität bestimmt das Jetzt und Heute. Begriffe werden uns um die Ohren geschlagen, Abkürzungen fluten unsere Nachrichten. Die Welt ist im Wandel.

Aber mal ganz ehrlich, warum nehmen wir es einfach so hin? Warum hinterfragen wir nicht, was uns kommuniziert wird.

Makel Unwissenheit

Unsere Gesellschaft hat einen mittlerweile recht dubiosen Umgang mit Fehlerkultur angenommen. Unwissenheit zählt als Makel. Das sehe ich aber als grundsätzlich falsche Herangehensweise an. Dummheit ist ein Makel, das sich Einlullen lassen, Wissensdefizite beizubehalten.

Nicht jeder kann auf jedem Gebiet ein Profi sein, das ist völlig normal, auch wenn es ganze Völker mit Fachwissen als Bundestrainer oder Nahostpolitik gibt.

Wie ich immer wieder betont habe, große Probleme, komplizierte Zusammenhänge sind oft nur eine Sammlung von vielen kleinen Problemen und können dekomponiert werden, zerlegt in kleine, handliche Einzelteile.

Sicher, an der Heisenbergschen Unschärfetheorie beiße ich mir die Zähne aus, aber die Komplexität eines autonom fahrenden Autos ist letztlich doch überschaubar, wenn man die einzelnen Funktionen identifiziert und einzeln betrachtet.

Innere Bilder

Gehe hundert Schritte in den Schuhen eines anderen, wenn Du ihn verstehen willst.<span class="su-quote-cite">Indianisches Sprichwort</span>

Zu jedem Begriff, zu jedem Bild gibt es eine individuelle Interpretation, die vom persönlichen Erfahrungsschatz  abhängt. Daher finde ich das Sprichwort so passend.

Es sind die unterschiedlichen Erfahrungen, die jeder Einzelne gemacht hat, die seinen Blick auf die Welt prägen. Umso wichtiger ist es, nicht nur vor dem inneren Auge das Bild zu haben, sondern es auch mitzuteilen, mit dem inneren Bild des Kommunikationsempfängers abzugleichen. Das wird gern vergessen. Es macht schließlich Arbeit und es erscheint doch arg „primitiv“.

Der Abgleich von Begrifflichkeiten ist aber alles andere, als primitiv, auch wenn ich die verwendete Sprache auf die „Wellenlänge“ des Empfängers einstellen muss. Das ist möglicherweise gar nicht so einfach. Persönlich versuche ich den „Empfangswiderstand“ nicht zu groß werden zu lassen, erkläre also auch einer Fachkraft genauso, wie einem 10Jährigen. Nur so kann ich (relativ) sicher sein, dass mein Verständnis vom Begriff, vom Bild oder Zusammenhang auch genauso beim Empfänger ankommt.

Sprache als Abgrenzung

Neben dem Makel Unwissenheit wird aber auch bewusst Sprache als Abgrenzung, als Alleinstellungsmerkmal, als USP1 verwendet. Gerade im deutschen Sprachraum scheint es mir, als würde eine hochspezifische Kommunikation als Eintrittskarte in unser (nichtexistente) Kastenwesen Verwendung finden.

Das hat schon Kant mit seinem kategorischen Imperativ bewiesen.

Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.<span class="su-quote-cite">Immanuel Kant</span>

Man hätte es auch leichter verständlich ausdrücken können!

Darüber jammern bringt aber herzlich wenig. Mit sprachlicher Verschleierungstaktik wird oftmals das eigene Unvermögen, die eigene Unwissenheit versteckt. Reißen wir also diesen Schleier herunter, wird aus manchem Nimbus ein selbstgebasteltes Krönchen aus Blattgold und Pappmaché.

q.e.d.

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.