a number of owls are sitting on a wire

EU – Verordnungen statt Selbstschutz

Oder: Wie man den Menschen das Denken abtrainiert, während man es als Fortschritt verkauft.

Am 7. Juli 2026 ist es so weit: Autos dürfen in der EU nur noch neu zugelassen werden, wenn sie mit einem ganzen Arsenal von Überwachungs- und Assistenzsystemen ausgestattet sind. FOCUS Online hat es fein säuberlich aufgelistet – vom Notbremslicht über das elektronische Gewissen namens Alcolock bis hin zur vorgeschriebenen Müdigkeitserkennung. Und irgendwo dazwischen, zwischen guten Absichten und digitalen Gängelbanden, geht der Mensch verloren. Aber klar – es ist ja zu seiner eigenen Sicherheit. Verordnungen statt Selbstschutz.

Wenn Sicherheit zur Ersatzreligion wird

„Null Verkehrstote bis 2050“ – das ist das erklärte Ziel der EU. Ein nobles Anliegen, zweifellos. Doch während der moralische Zeigefinger immer höher zeigen darf, wächst unter der Motorhaube eine technokratische Utopie heran: Ein Auto, das besser weiß, was gut für dich ist, als du selbst. Der Kaffeetassen-Icon, das dich an die Pause erinnert. Der Geschwindigkeitsassistent, der deine spontane Freude über Landstraßenkurven im Keim erstickt. Und das Notbremssystem, das dich rettet – vor Fußgängern, Radfahrern und vermutlich bald auch vor dir.

Man könnte fast meinen, es ginge gar nicht mehr um den Schutz des Lebens, sondern um die vollständige Kontrolle über es. Der Mensch als unzuverlässige Variable – zu emotional, zu unaufmerksam, zu… menschlich. Also übernehmen Maschinen. Und wenn sie das nicht ganz freiwillig tun, dann eben per EU-Verordnung. Mit moralischer Rückendeckung versteht sich. Europäisches Parlament.

Wenn die EU das Denken übernimmt

Hier wird’s richtig zynisch: Die Brüsseler Bürokraten haben entschieden, dass dein Gehirn nicht mehr ausreicht. Stattdessen piepst und bremst die Maschine. Notfall-Spurhalteassistenten greifen ein, wenn du mal träumen darfst. Intelligente Geschwindigkeitsassistenten (ISA) mahnen dich wie ein strenger Lehrer. Und der Aufmerksamkeitsassistent – der „Hochentwickelte Warnsystem“ – diagnostiziert deine Müdigkeit anhand von Lenkbewegungen. Weil du ja selbst nicht merkst, wenn du pennst.

Das ist nicht mehr Fahren, das ist beaufsichtigtes Voranschreiten. Und während die EU jubelt, verlernen wir, was Verantwortung bedeutet. Normen schaffen falsches Vertrauen – wie ich kürzlich schrieb. Weil alles dokumentiert ist, muss es ja sicher sein. Oder?

Der Preis der Unfehlbarkeit

Natürlich, wer wollte schon dagegen sein, dass Menschenleben geschützt werden? Doch der Preis dieser Perfektion ist hoch – und er wird nicht nur in Euro bezahlt. Schon heute warnen Experten, dass die immer dichtere Regulierung den Individualverkehr unerschwinglich machen könnte. Kleinwagenhersteller stöhnen, weil Systeme wie Notfall-Spurhalteassistenten oder automatische Müdigkeitserkennung die Produktionskosten explodieren lassen. Die Folge? Weniger Modelle, mehr Preise, weniger Freiheit.

Wenn das Ziel der Verkehrssicherheit darin besteht, dass sich bald keiner mehr ein Auto leisten kann, dann ist das wohl das erfolgreichste Sicherheitskonzept der EU-Geschichte: Keine Unfälle, weil keiner mehr fährt. Hut ab, Brüssel. Nord24.

Vom Fahren zum Gefahrenwerden

Wer in den letzten Jahren ein modernes Auto gefahren hat, kennt das Gefühl: Das Fahrzeug weiß immer ein bisschen besser, wo es langgeht. Es bremst, lenkt, mahnt, piepst – und irgendwann fragt man sich, wer hier eigentlich das Kommando führt. „De-Skilling“ nennt man das in der Soziologie, den Verlust praktischer Fähigkeiten durch Automatisierung. Ich habe darüber schon einmal geschrieben: Wenn Bequemlichkeit zur Entmündigung wird.

Das Autofahren – einst Inbegriff von Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung – verkommt zunehmend zu einer beaufsichtigten Freizeitbeschäftigung. Der Fahrer als Bediener einer überwachenden Maschine. Nicht mehr Herr der Lage, sondern Schützling eines elektronischen Nanny-Systems. Im Verkehrswesen wie in der Logistik: Autonomes Fahren untergräbt Reaktionsfähigkeit langfristig – besonders in Notfällen. ADAC zu Leveln des autonomen Fahrens.

Vom Alcolock zum Denkverbot

Die Alkohol-Wegfahrsperre, technisch vorbereitet seit 2024, ist der feuchte Traum jedes Sicherheitsfanatikers. Noch ist sie freiwillig. Aber wer glaubt, dass das so bleibt, möge bitte in die Geschichte der EU-Verordnungen schauen – oder einfach abwarten. Der Tag, an dem jeder vor dem Start in einen Sensor pusten muss, um zu beweisen, dass er nüchtern genug ist, wird kommen. Die Frage ist nur, wann. Oder wohin das führt: Ein Autofahren, das an die Logik eines Flughafen-Sicherheitschecks erinnert.

Ironischerweise wird so mehr Kontrolle geschaffen, nicht weniger Gefahr. Der Autofahrer wird zum Verdächtigen, bevor er überhaupt den Zündschlüssel – pardon, den Startknopf – drückt. Vertrauen? Null. Verantwortung? Abgetreten. Willkommen in der Ära der präventiven Entmündigung. Stolle RG.

Das Gute im Schlechten – und umgekehrt

Natürlich retten Assistenzsysteme täglich Leben. Niemand bestreitet das. Der elektronische Bremsassistent kann den Unterschied zwischen Schockmoment und Schicksal bedeuten. Das Notbremslicht warnt Hinterherfahrende in Sekundenbruchteilen. Diese Technik ist klug, sinnvoll – aber sie sollte immer unterstützen, nicht ersetzen. Was die EU gerade plant, jedoch, ist die Überführung der Verantwortung an die Maschine. Und das ist eine andere Liga.

Es ist, als hätte man beschlossen, dass Menschen zu wertvoll sind, um selbst Verantwortung zu tragen. Also nimmt man sie ihnen ab – unter Applaus. Auto Motor und Sport.

Wenn Überleben wichtiger wird als Leben

Man kann nicht alle Risiken ausschließen. Leben ist Risiko. Autofahren sowieso. Und wo kein Risiko ist, da ist auch kein Leben. Wer alles sicher machen will, macht alles tot. Das gilt für Straßenverkehr, Pandemien und Gesellschaft gleichermaßen. Wir sterben ohnehin – am Ende immer mit 100 Prozent Wahrscheinlichkeit. Die Frage ist also: Wollen wir lebend überleben oder lebendig fahren?

Es klingt altmodisch, aber vielleicht braucht es wieder den einfachen Gedanken, dass Freiheit ihre Risiken mitbringt – und dass sie genau deswegen kostbar ist. Sonst fahren wir bald alle sicher, aber sinnlos. Vision Zero.

Vielleicht hilft nur ein Reset – aber analog

Vielleicht brauchen wir keine weiteren Assistenten, sondern wieder Vertrauen in Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. In Fahrer, die fahren wollen, nicht gefahren werden. In Bürger, die entscheiden dürfen, ob sie einen Kaffee trinken oder einen Fahrassistenten ausschalten.

Oder, um es sarkastisch zu sagen: Vielleicht sollte man nicht Autos regulieren, sondern den übermotivierten Sicherheitsreflex in Brüssel – mit einem „Bürokratenspurhalteassistenten“ und einem „Gesetzgeber-Aufmerksamkeitswarner“, der bei Überregulierung freundlich piept: „Bitte Pause einlegen.“

Bis dahin bleibt nur eines: Fenster runter, Musik an, und hoffen, dass das Auto nicht von selbst den Radiosender wechselt, weil er zu laut ist.

Fazit

Die EU meint es gut – und schafft sich damit selbst ein System, in dem Verantwortung, Freiheit und Verstand auf der Strecke bleiben. Vielleicht ist es an der Zeit, das Steuer wieder selbst in die Hand zu nehmen. Ohne Assistenz. Mit Verstand.

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